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Donnerstag, 2. Oktober 2014 Holz-Zentralblatt Nummer 40 · Seite 961 INHALT Hansruedi Streiff: Mehr Fitness statt Forschung im Wald und im Sägewerk 963 Möbelmarkt Schweiz: Rückläufig auf hohem Niveau964 Schweizer Bauwirtschaft: Der Zenit ist wohl erreicht 964 Parkettmarkt Schweiz: Erneutes Plus verzeichnet 965 „Nest“ – ein Labor für Experimente am Bau 966 Johann Lehner: Holzbau dominiert die Wertschöpfung 967 Meisterhafter Holzbau für den Bäckermeister 969 Domat/Ems: Warten auf Sägewerk 970 Lignum: WWF argumentiert unseriös 970 CO2-Emissionen im Jahr 2013 um knapp 2 % rückläufig 970 Die Utopie der (selbst gebauten) Flugmaschinen 971 Exklusive Wohnungen im historischen Basel 971 Kreativität, Holz und Klebstoff vereint 971 Jörg Reimer: Herkunftsdeklaration – notwendige Weitsicht vermisst 972 Kundenbedürfnisse als Basis 974 Ausstellung zum humanitären Abenteuer 974 Gefertigt wird, was auf den Tisch kommt 974 Biomasse gibt den besten Auftrieb 975 Sozialer Wohnungsbau in Holzbauweise 976 Umnutzung: Wohnen in der Schokoladenfabrik 977 Baukonzept muss von Anfang an das Thema Energie aufgreifen978 Charles von Büren: Elefantenanlage in Zürich: Holzhalle für Giganten 979 Schweiz KURZ NOTIERT Schweiz – das Maß aller Dinge Auch im jüngsten Ranking des Weltwirtschaftsforums WEF bleibt die Schweizer Wirtschaft die weltweite Nummer eins bei der Wettbewerbsfähigkeit, bereits zum sechsten Mal in Folge. Eine Gefahr, den Spitzenplatz zu verteidigen, 148 Mio. CHF für die Umwelt Der Bundesrat unterstützt weiterhin den weltweiten Schutz der Umwelt. Er hat zu diesem Zweck einen Rahmenkredit von knapp 148 Mio. CHF (123 Mio. Euro) für den Zeitraum 2015 bis 2018 verabschiedet. Diese Mittel sollen auch in Zukunft in den Globalen Umweltfonds (GEF), den Ozonfonds sowie in zwei Klimafonds fließen, aus denen Projekte zum Schutz der Umwelt finanziert werden. sehen die Forscher in den wachsenden Schwierigkeiten, entsprechend qualifiziertes Personal zu finden. An zweiter Stelle führt das WEF Singapur, vor den USA, Finnland und Deutschland. www.weforum.org GESETZGEBUNG Neue Schweizer Brandschutzvorschriften treten 2015 in Kraft In allen Gebäudekategorien und Nutzungen können ab dem 1. Januar Holzbauten errichtet werden. Bei den Anforderungen an den Feuerwiderstand wird nicht mehr zwischen brennbarer und nichtbrennbarer Konstruktion unterschieden. Die Anwendungsmöglichkeiten für das Holz werden damit deutlich erweitert. Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF hat die schweizerischen Brandschutzvorschriften seit 2010 im Auftrag des Interkantonalen Organs Technische Handelshemmnisse IOTH überarbeitet. Hauptstoßrichtung war dabei, die Kosten des Brandschutzes als Teil der erheblichen Schweizer Regulierungskosten zu senken, ohne hinsichtlich der Schutzziele Kompromisse zu machen. Die Revision behält das mit Singapur an der Weltspitze liegende Schutzniveau für Personen bei. Sie erreicht jedoch unter Berücksichtigung der neuesten technischen Möglichkeiten hinsichtlich Sachwertschutz eine wesentliche Senkung der Kosten für den Brandschutz. Die Grundlage dafür bildet das ETH-Forschungsprojekt „Wirtschaftliche Optimierung im vorbeugenden Brandschutz“. Die Revision sieht ab dem 1. Januar 2015 vielfache Erleichterungen vor. Die Erfahrung hat beispielsweise gezeigt, dass bei Einfamilienhäusern Brandschutzmaßnahmen im Vergleich zu anderen Maßnahmen teuer sind und zum Personenschutz wenig beitragen. Daher sind hier mit wenigen Ausnahmen inskünftig keine Brandschutzmaßnahmen mehr zu beachten. Ausgenommen davon sind lediglich Gebäude mit einer Holzheizung und Brennstofflagerung. Das Gleiche gilt für Gebäude mit geringen Abmessungen, zu denen Bauten mit maximal 600 m² Grundfläche und höchstens zwei oberirdischen Geschossen zählen. Hier werden nur noch minimale Brandschutzmaßnahmen gefordert. Davon profitieren primär KMUBetriebe, die ihre Gebäude gleichzeitig privat nutzen, indem sich zum Beispiel im Erdgeschoss ein Handwerksbetrieb und im Obergeschoss eine Wohnung befinden. Die zulässige horizontale Fluchtwegdistanz beträgt 35 m (bisher 20 m), und bei der Festlegung der Anzahl Treppenhäuser ist die Einhaltung der Fluchtweglängen maßgebend. Die möglichen Brandabschnittsgrößen bei Industrie- und Gewerbebauten werden in einzelnen Bereichen um bis zu 200 % erhöht. Homo lignum diligens cvb. Mehr als tausend Einwohner der Stadt Winterthur (Schweiz) wehren sich für die Holz-Skulptur «Holidi» an prominenter Lage an der Graben-Allee im Stadtzentrum. Damit wird vermutlich das Volk das letzte Wort zu dieser aus einem Messeauftritt der Lignum stammenden Skulptur haben, die einer neuen Kunstinstallation weichen soll. Die riesige Eichenholz-Skulptur eines liegenden Mannes ist seit rund dreißig Jahren untrennbar mit der Winterthurer Graben-Allee verbunden. Der „Homo lignum diligens“ (lat.: Der Mensch, der das Holz liebt) der Einfachheit halber allerseits nur kurz „Holidi“ genannt. Gelandet ist dieser Holzriese in Winterthur, weil er vom in der Nähe der Stadt tätigen Künstler Werner Ignaz Jans stammt. Es war ein Auftragswerk für einen Messeauftritt der Lignum für die „Swissbau“ und hat bereits damals Tausende von Messebesuchern ins Staunen gebracht. Ein neues Kunstwerk soll den in die Jahre gekommenen Eichenmann nun an der publikumsreichen Lage ersetzen. Die elf Meter lange Skulptur aus über zwanzig Kubikmetern Eiche zeigt deutliche Abnützungserscheinungen aus dreißig Jahren Wind und Wetter und musste vor einigen Jahren aus Sicherheitsgründen neu befestigt werden – im Bewusstsein, dass dadurch die Lebenszeit des Grabenmannes nicht unbeschränkt verlängert werden kann. Aber Generationen von Kindern sind darauf herumgeklettert, und ihre Eltern wollen den Eichenmann wie ihre Sprösslinge nicht einfach so hergeben. Anfang Juli gab die Stadt Winterthur bekannt, dass die kommunale Volksinitiative „Rettet den Holidi“ mit über Tausend gültigen Unterschriften zustande gekommen ist. Der Stadtrat hat nun vier Monate Zeit, über die Zukunft von Holidi zu entscheiden. Foto: Michael Meuter, Lignum Wohnlichkeit von Holz mitten in die Stadt Christoph Starck, Direktor Lignum Holzwirtschaft Schweiz im Interview mit dem „Holz-Zentralblatt“ Der Holzbau nimmt in der Schweiz eine starke Stellung ein. Mitverantwortlich für den starken Zuwachs in den vergangenen Jahren sind Vorschriften und Gesetze, die an den tatsächlichen Gegebenheiten für das Bauen mit Holz anknüpfen und keine weiteren Hindernisse aufbauen. Nicht zuletzt die starke Stellung der Lignum/Holzwirtschaft Schweiz konnte dazu einen Gutteil beitragen. Dennoch hat die Schweizer Holzwirtschaft erhebliche Probleme, die Christoph Starck im Gespräch mit dem „Holz-Zentralblatt“ anspricht. Holz-Zentralblatt: Herr Starck, Präsenz Schweiz als offizielle Werbeagentur des Landes tritt seit der Winterolympiade 2014 international mit dem „House of Switzerland“ auf – einem kompromisslos modernen Holzbau. Der „New Swiss Style“ im Bauen mit Holz scheint heute in der Schweiz wie einst das Chalet wieder ein Stück des kollektiven Selbstverständnisses geworden zu sein. Ist dem so? Christoph Starck: Das „Selbstverständnis“ des Bauens mit Holz ist tatsächlich ein ganz anderes geworden. Das hat mit der Leistung der Architekten als Designer und den Holzbauunternehmern als Anbieter zu tun, auch mit den gesellschaftlichen Erwartungen an eine nachhaltige Entwicklung und mit gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche das Holz nicht mehr diskriminieren. Wir sprechen davon, dass das Holz „normal“ geworden ist. Früher gab es bei uns das Baugewerbe (sprich Massivbau) und daneben die Möglichkeit, auch Holz einzusetzen – fast wie zwei Parallelwelten. Holz anwenden war immer verbunden mit Erklärungsund zusätzlichem Zulassungsaufwand. Das ist jetzt eigentlich vorbei. Neben neuen Brandschutzvorschriften usw. hat dies aus meiner Sicht vor allem mit einem geänderten Zugang zu Materialien bei den Architekten zu tun. Zuerst wird die Bauaufgabe analysiert und dann versucht, die verschiedenen Materialien so einzusetzen, dass sie ihre besten Eigenschaften zum Tragen bringen. Gepaart mit einer gewissen Unvoreingenommenheit der jüngeren Architektengeneration ergibt sich dadurch eine ganz neue, eben normale Anwendung der Materialien, sehr oft in Kombinationen. Qualitativ lässt sich das neue Selbstverständnis auch an den Medienberichten aus dem Bauwesen ablesen: Keine Immobilienbeilage, keine Fachzeitschrift und schon gar keine Architekturhefte erscheinen ohne einen Beitrag zum Holz. Dies spiegelt ein stark gewachsenes Interesse, aber auch ein stark gewachsenes Selbstvertrauen einer Branche, welche die Chance ergreift, welche sich aus der großen Sympathie für ihren Werkstoff ergibt. Das heißt dann auch, dass es nichts mehr mit dem „heimeligen“ Chalet zu tun hat, welches immer noch in vielen Köpfen herumgeistert. HZ: Die Statistik zeigt, dass das Segment Mehrfamilienhaus in wenigen Jahren seit der Zulassung mehrgeschossiger Holzbauten zum dominanten Feld der baulichen Holzanwendung geworden ist. Unter der neuen Generation Brandschutzvorschriften, Fortsetzung auf Seite 962


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