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HZ_40_2014

Seite 964 · Nummer 40 · Holz-Zentralblatt Bauwirtschaft Donnerstag, 2. Oktober 2014 Möbelmarkt Schweiz: Rückläufig auf hohem Niveau Preissensitivität der Kunden sowie der Einkaufstourismus steigen weiter cvb. Nach verhältnismäßig stabilen Jahren 2007 bis 2011 erlebt der Markt für Wohneinrichtungen in der Schweiz einen Rückgang von 2,5 %, nämlich von 4 105 Mio. (2012) auf 4 002 Mio. CHF (2013), entsprechend 3 421 Mio. Euro gegenüber 3 335 Mio. Euro. Die Zahlen der aktuellen Brancheninfo des Verbands der Schweizer Möbelindustrie zeigen auch im Bereich Möbel alleine einen Rückgang der Umsätze von 2 926 Mio. (2 438 Mio. Euro) auf 2 824 Mio. CHF (2 353 Mio. Euro), entsprechend einem Minus von 3,5 %. Das Hoch der Jahre 2007/2008 im Möbelmarkt (3 108 resp. 3 170 Mio. Fr.) wurde 2009 mit einem Minus von 4,9 % gebrochen. Der Umsatz blieb darauf zwei Jahre insgesamt stabil und begann ab 2011 zu sinken. Der Umsatz im Bereich Möbel steht nun in etwa auf dem Niveau des Jahres 2005. Die elf erfassten größten Handelsfirmen zeigen mit vier Ausnahmen (Ikea, Lipo, Top Tip und Möbel Märki) ebenfalls diese sinkende Tendenz bei den Umsätzen. Während der vergangenen sechs Jahre zeigte allein der Riese Ikea eine stetige und auch bedeutende Zunahme der Umsätze (von 786 Mio. 2007 auf 1 030 Mio. CHF im Jahr 2013). Bei einem Marktanteil von 26 % hat demnach Ikea den bedeutendsten Erfolg im Schweizer Möbelmarkt. Trendbarometer 2014 Eine Umfrage des Forschungszentrums für Handelsmanagement der Universität St. Gallen innerhalb der Branche liefert Einschätzungen zur Entwicklung im laufenden Jahr. Die Mehrheit der Befragten geht von einer verbesserten Wirtschaftslage der Schweiz aus, schätzt indessen die Entwicklung des eigenen Unternehmens eher pessimistisch ein. Preise, Mehrwert und Profilierung gewinnen demnach aus Sicht der Manager an Bedeutung. Als bedeutendste Herausforderungen betrachtet werden die Preissensitivität der Kunden, der Einkaufstourismus und anzustrebende Effizienzsteigerungen. Insgesamt tut sich die Branche offenbar schwer mit dem Fokus der Profilierung. Ideen zu Profilierung der Firmen werden primär intern erarbeitet. Immer gemäß dieser Umfrage werden die meisten vergangenen Profilierungsprojekte als erfolgreich eingeschätzt. Doch fehle es teilweise an Geduld. Gerechnet wird mit einer hohen Bedeutung von Internetkäufen und einem ausgeprägten Einkaufstourismus. Interessant ist dabei die Einschätzung der beiden Branchenriesen. Möbel Pfister wird aus Managementsicht das beste Netz an Verkaufsstellen und der beste Online-Shop der Schweiz zugestanden. Bei den international agierenden Anbietern habe hingegen Ikea die Nase vorn. Ein gesonderter Beitrag im Branchenbericht betrachtet das Verhalten der Kunden über 50. Er geht der Frage nach, welche Chancen sich aus der Marktmacht der über 50-Jährigen ergeben, welche Bedürfnisse und Wünsche diese haben und wie sie für eine bestimmte Firma zu begeistern sind. Gezeigt wird auch, welche Verkaufskonzepte bei älteren Kunden greifen. Marktmacht 50 plus Der Bericht beruht auf Untersuchungen in Deutschland, doch Kurt Frischknecht, Geschäftsführer von „Möbelschweiz“, dem Verband der Schweizer Möbelindustrie, betont, dass diese Aussagen auch auf die Schweiz zutreffen. 2020 wird die Hälfte aller Kunden über 50 Jahre alt sein. Wer diese Kunden begeistern will, so der Bericht, müsse überkommene Werte- und Verkaufsmuster überwinden. Die zunehmend älter werdende Gesellschaft fühle sich aber weit jünger als sie ist und verhält sich entsprechend. Gemäß diesem Bericht fühlt sich diese Generation von der derzeit üblichen Werbung weder ernst genommen noch angesprochen. Einige Verantwortliche im Bereich Kommunikation haben dies erkannt und neue Medienkanäle für die älteren Zielgruppen geschaffen, ohne dies gleich als „Seniorenteller“ zu verkaufen. SAT 1 gründete mit SAT 1 Gold einen Fernsehsender für die sogenannten Best Ager, im Bayrischen Rundfunk gibt es den enstsprechenden Sender „Bayern Plus“ und die Stern-Redaktion (Gruner & Jahr) gibt mit „Viva! – Das Magazin für Fortgeschrittene“ ein Blatt heraus, das sich voll und ganz dieser Zielgruppe widmet. Menschen über 50 seien nicht einfach mit Trends zu ködern sondern ein langfristig wichtiges und lohnenswertes Kundensegment. Deren Marktpotenzial werde immer noch massiv unterschätzt, denn Kunden über 50 geben im Vergleich zur jüngeren Generation wesentlich mehr Geld für Life-Style-Produkte, Dienstleistungen, Reisen, Wohnen und Einrichten aus. Allein in Deutschland werde die Kaufkraft der Generation 50 Plus auf 720 Mrd. Euro jährlich geschätzt – eine gigantische Summe. Diese Kunden als „Senioren“ abzustempeln sei so ziemlich das Dümmste was ein Management tun könne, geht aus dem Bericht hervor. Und noch etwas wird betont: Nicht allein die Kaufkraft macht Kunden über 50 attraktiv, sondern auch deren Treue und Kauflust. Sie erwarten individuelle, freundliche Beratung und persönliche Wertschätzung – wer dies bietet, gewinnt langfristig überzeugte Kunden. Über die Zielgruppe 50 plus werde schon lange gesprochen, betont der Bericht. Doch bloß jedes fünfte Unternehmen habe sich tatsächlich auf den demografischen Wandel eingestellt. Es seien sinngemäß Kopf, Herz und Bauch der Kunden anzusprechen. Ein reiner Produktanbieter bleibe da chancenlos, gefragt sei ein Nutzen schaffender Lebensbegleiter. Langfristiges Vertrauen mit einer kompetenten Beratung zu schaffen sei dabei eine der Schlüsselpositionen, die zu einer Kundenbindung der Best Ager führen. Die Jahres-Branchen-Info 2013 von „Möbelschweiz“ informiert auf 82 Seiten umfassend über das Marktgeschehen in der Schweiz und enthält auch aktuelle Zahlen zur Bevölkerung und Volkswirtschaft, zum Detailhandel, Werbung und Marketing sowie zur Möbelbranche. Für 150,– CHF zu beziehen bei: Verband Schweizer Möbelhandel und -industrie (Möbelschweiz) Postfach 116, CH 4932 Lotzwil (Schweiz) Å Å www.möbelschweiz.ch Der höhenverstellbare Holztisch von Jürg Bally aus dem Jahr 1954 erlebt derzeit eine Wiedergeburt ... ... Die Firma Horgenglarus stellt diesen seit kurzem als „ess.tee.tisch“ mit neu entwickeltem Mechanismus ... ... wieder her. Er ist von 42 (Couch/ Teetischhöhe) auf 74 cm (Esstisch) in zehn Stufen verstellbar Schweizer Bauwirtschaft: Der Zenit ist wohl erreicht Lang anhaltender Wachstumszyklus der Bauwirtschaft neigt sich dem Ende zu Die Bautätigkeit und die Auftragslage im Bauhauptgewerbe sind weiterhin sehr solid. Es zeigen sich jedoch vermehrt Anzeichen einer Abkühlung – vor allem im Wohnungsbau. Die weitere Entwicklung ist von Unsicherheit geprägt. Im ersten Halbjahr 2014 hat das Bauhauptgewerbe von der milden Witterung profitiert. Die Umsätze sind um 6,4 % auf 9,1 Mrd. CHF (rund 7,6 Mrd. Euro) gestiegen, wobei der Anstieg im zweiten, weniger witterungsabhängigen Quartal noch 2,3 % betrug. Auch die Arbeitsvorräte sind insgesamt leicht gestiegen. Sie lagen Ende Juni um 3,0 % höher als ein Jahr zuvor und erreichten damit 13 Mrd. CHF (10,85 Mrd. Euro). Dies geht aus der neuesten Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) vom 10. September hervor. Jedoch gehen die Baugesuche und Baubewilligungen im Wohnungsbau seit mehr als einem Jahr zurück. Dies macht sich langsam auch in den Bü- chern der Baufirmen bemerkbar: Die Auftragseingänge sinken, wenn auch vorerst nur geringfügig. Bei den Büroimmobilien gibt es darüber hinaus vielerorts Überkapazitäten, was die Aussichten für die Bauwirtschaft dämpft. Der lange Wachstumszyklus der Bauwirtschaft neigt sich nun definitiv dem Ende zu. Zudem sorgen politische Entwicklungen für Unsicherheit: Die Masseneinwanderungsinitiative und die langwierige Umsetzung des Zweitwohnungsgesetzes sowie eine Flut anhängiger Volksinitiativen wie etwa Ecopop (diese Initiative will, dass der Staat die Bevölkerungszahl so organisieren soll, dass die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen gewährleistet ist) oder die Initiative zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung. Ein Rückgang oder gar ein Einbruch der Bautätigkeit ist aber zumindest dieses Jahr noch nicht zu befürchten. Die Auftragslage ist weiterhin sehr gut. Auch die Bauvorhaben für das laufende, dritte Quartal liegen auf Vorjahresniveau (+1.4 %). Die Bautätigkeit dürfte daher 2014 aufgrund des milden Winters auch insgesamt ein leichtes Plus verzeichnen. Die Auftragssituation im Schweizer Bauhauptgewerbe 1. Halbjahr 2014 Bautätigkeit (nominelle Umsätze in Mio. CHF) Hochbau 4 376,8 4 862,6 485,8 11,1 Wohnungsbau Wirtschaftsbau öffentlicher Hochbau Tiefbau öffentlicher Tiefbau privater Tiefbau privater Bau 5 111,0 5 608,1 497,7 9,7 öffentlicher Bau 3 454,8 3 509,1 54,3 1,6 Hoch- und Tiefbau 8 565,7 9 117,2 551,4 6,4 Auftragseingänge in Mio. CHF Hochbau Wohnungsbau Wirtschaftsbau öffentlicher Hochbau Tiefbau öffentlicher Tiefbau privater Tiefbau privater Bau öffentlicher Bau Hoch- und Tiefbau Die Auftragseingänge im ersten Halbjahr legten um 10,2 % auf 10,9 Mrd. CHF (9,1 Mrd. Euro) zu Entwicklung der schweizerischen Bautätigkeit im öffentlichen und privaten Bereich in den vergangenen zehn Jahren Grafiken: SBV Januar – Juni 2013 Januar – Juni 2014 ± in Mio. ± in % 2 833,4 1 168,5 374,9 3 172,4 1 211,3 478,8 339,0 42,8 103,8 12,0 3,7 27,7 4 188,9 3 079,9 1 109,0 4 254,6 3 030,3 1 224,3 65,7 –49,6 115,3 1,6 –1,6 10,4 5 141,5 3 482,2 1 243,5 415,8 4 796,6 3 231,3 1 565,3 6 291,0 3 647,1 9 938,1 5 514,0 3 400,3 1 527,3 586,4 5 434,6 3 971 1 462,7 6 390,3 4 558,3 10 948,6 372,5 –81,8 283,7 170,6 638,0 740,6 –102,7 99,3 911,2 1 010,5 7,2 –2,3 22,8 41,0 13,3 22,9 –6,6 1,6 25,0 10,2 Die Umsätze im Bauhauptgewerbe stiegen um 11,1 % im Hochbau auf 4,86 Mrd. CHF, im Tiefbau auf 4,25 Mrd. CHF


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