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Donnerstag, 2. Oktober 2014 Holzwirtschaft Nummer 40 · Holz-Zentralblatt · Seite 967 Holzbau dominiert die Wertschöpfung Branchenanalyse Schweiz: Schweizer Holzbau Zugpferd der Wertschöpfungskette Wald und Holz Ludwig Lehner*, Abensberg Bei einer von der BWC Management Consulting aus Abensberg durchgeführten detaillierten Untersuchung der Schweizer Wertschöpfungskette (WSK) Wald und Holz stellt sich der Holzbau als Zugpferd der gesamten Branche heraus – Tendenz steigend. Vorgelagerte Produktionsstufen wachsen dagegen kaum und die Verwendung von heimischem Holz geht weiter zurück. Mit einem umfangreichen Umsetzungskonzept sollen entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. as Bundesamt für Umwelt (Bafu) hatte als Fachbehörde für D die Formulierung und Umsetzung von Ressourcenpolitiken in der Schweiz die Studie in Auftrag gegeben, um die Kenntnisse zur Wertschöpfungskette Wald und Holz zu vertiefen und vorhandene Lücken zu schließen. Die Studie zeigt die Strukturen der Branchen nach Absatzstufen entlang der Wertschöpfungskette auf und verfolgt den Materialfluss vom Wald bis zum Endverbrauch in der dritten Absatzstufe. Hieraus konnten Bruttoproduktionsleistung und Wertschöpfung nach einzelnen Branchen und in der Summe für die Gesamtschweiz abgeleitet werden. Verwendung von Holz und Holzprodukten liegt im Trend Von 2009 bis 2011 nahm der Holzverbrauch im Gebäudebau um 22 % zu. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von mehr als 7 %. Auch wenn der Bauindex Schweiz aktuell stagniert, bestehen gute Chancen, dass der Trend im Holzbau anhält. Der Holzbau wächst zu Beginn des Jahres 2014 schneller als der Markt (8 % zu 5,5 %). Vor allem die Bemühungen des Bundes, die Renovationsrate in der Schweiz von 1 % auf 2 % oder vielleicht sogar auf 3 % zu steigern, werden diesem Trend einen weiteren Schwung verleihen. Eine Erhöhung der Renovationsrate birgt das Potenzial, das beim Rückbau der Gebäude vermehrt anfallende Volumen an Altholz der energetischen Nutzung zuzuführen. Altholz tritt im Sinne der Kaskadennutzung mit einem höheren Anteil an die Stelle von Frischholz. Der vermehrte Einsatz von Holz aus dem Schweizer Wald im Bauwesen leistet damit langfristig sowohl aus der Betrachtung der stofflichen als auch aus der Betrachtung der energetischen Nutzung einen wesentlichen Beitrag zur Lückenschließung der Wertschöpfungskette Wald und Holz in der Schweiz. Vermehrter Anfall von Laubholz Laubholz spielt bisher im Schweizer Holzbau nur eine untergeordnete Rolle. Stofflich wird Laubholz heute vorwiegend in der Schweizer Holzwerkstoffindustrie verwendet, wobei die Mengen, gemessen am Holznutzungspotenzial im Schweizer Wald, gering sind. Der vermehrte Anfall von Laubholz und die begrenzten Verwendungsmöglichkeiten in Form von Produkten mit höherer Wertschöpfung sind noch immer ein Problem der Holzverwendung. Im Fußbodenbereich könnte noch Potenzial liegen. Bei Türen und Treppen ist das Potenzial begrenzt. Im Außenbereich könnte Laubholz durch Marktwachstum und Substitutionsmöglichkeiten einen geringfügigen Zuwachs erreichen. Insgesamt wird aber deutlich, dass Laubholz in den traditionellen Bereichen bisher begrenzte Möglichkeiten für eine Ausweitung des Marktvolumens hat. Vielversprechend sind die Entwicklungen von verleimten Querschnitten aus Laubholz und die Entwicklung von Hybridprodukten aus Laub- und Nadelholz (oder auch mit anderen Materialien, wie z. B. Stahl oder Beton). Entwicklungen in den Bereichen Furnierschichtholz (FSH, Laminated Veneer Lumber LVL), Brettschichtholz und Massivholzplatten können zukunftsträchtige Einsatzbereiche insbesondere von Buchenholz werden. Bei allen Bemühungen, neue Märkte für den wachsenden Anteil von Laubholz zu erschließen, sollte man die bestehenden Schwergewichte der Holzverwendung nicht übersehen. Nadelholz bleibt vorerst im Wettbewerb um die vorherrschende stoffliche Verwendung die wichtigste Holzart. Rückläufiger Holzeinschlag Seit 2007 ging die Bereitstellung von Rundholz aus den Schweizer Wäldern von ursprünglich 5,8 Mio. m³ auf 5,057 Mio. m³ im Jahr 2011 zurück. Auf Stammholz entfiel 2011 der Anteil von 2,826 Mio. m³ am Gesamteinschlag, auf Industrieholz 0,533 Mio. m³ und auf Energieholz 1,698 Mio. m³. Der Anteil von Stammholz an der Gesamthiebsmasse nimmt während der letzten acht Jahre ab. Im Jahr 2011 betrug dieser Anteil noch 56 %. Die Bereitstellung von Energieholz stieg bis zum Jahr 2011 auf einen Anteil von 34 % an. Der Anteil von Industrieholz betrug im selben Jahr 10 % und weist eine rückläufige Tendenz auf. Diese Entwicklung zeigt einen langsamen Trend weg vom Nadelstammholz und hin zu Energieholzsortimenten mit Schwerpunkt Laubholz. Die Bereitstellung von Stammholz aus Schweizer Wäldern nahm im Betrachtungszeitraum besonders seit dem Jahr 2007 kontinuierlich ab. Im Jahr 2007 wurden der Schweizer Sägeindustrie 2,34 Mio. m³ Nadelstammholz aus Schweizer Wäldern bereitgestellt. Bis zum Jahr 2011 ging die Bereitstellung von Nadelstammholz auf 1,95 Mio. m³ zurück und im Jahr 2012 lag diese nur noch bei 1,68 Mio. m³. Die Schweizer Wälder konnten in den vergangenen dreißig Jahren bei stabilem Veränderung der Sortimente in der Holzproduktion von 2011 auf 2012 Quelle: BFS Interaktive Statistikdatenbank Ergebnisse aus der Waldbewirtschaftung 2008 bis 2012 Zuwachs ihre Vorräte weiter aufbauen. Vor allem im Laubholz ist ein starker Vorratsaufbau festzustellen. Je nach Region und Waldbesitzart ist eine sehr unterschiedliche Vorratsentwicklung zu verfolgen. Der Schweizer Privatwald verfügt mit durchschnittlich 420 m³ Vorrat pro Hektar über einen deutlich höheren Vorrat als der öffentliche Wald mit durchschnittlich 320 m³ pro Hektar. Auf die Regionen bezogen wurde der höchste Vorrat von durchschnittlich 490 m³/ha im Mittelland errechnet. Der niedrigste durchschnittliche Vorrat liegt auf der Alpensüdseite mit ca. 230 m³/ha. Gemäß der noch verwendeten Definition bewirtschaften rund 1500 Forstbetriebe (> 50 ha produktive Waldfläche) im Jahr 2011 etwa 770 Tsd. ha der Schweizer produktiven Waldfläche. Der restliche Wald setzt sich aus etwa 136 Tsd. ha öffentlichem Kleinwald und 312 Tsd. ha kleinem Privatwald zusammen. Negative Betriebsergebnisse in Schweizer Forstbetrieben Seit 1990 weisen die Schweizer Forstbetriebe in der Statistik negative Betriebsergebnisse Standorte der Sägeindustrie aus. Der Verlust im Jahr 2011 betrug 40 Mio. CHF (rund 33 Mio. Euro); im Jahr 2012 erhöhte sich der Verlust weiter auf 58 Mio. CHF (48,5 Mio. Euro). Die Ergebnisse sind nach Forstzonen und Kantonen sehr unterschiedlich. Trotz der durchschnittlich negativen Betriebsergebnisse finden sich in allen Wirtschaftsregionen Betriebe, die Gewinne in der Waldbewirtschaftung ausweisen. Der Einschnitt der Sägeindustrie geht weiter zurück Zur Schweizer Sägeindustrie gehören 303 Sägebetriebe. Betriebe mit weniger als 400 m³ Einschnitt pro Jahr wurden bei dieser Zählung nicht berücksichtigt. Betriebe mit weniger als 400 m³ Einschnitt repräsentierten im Jahr 2012 weniger als 20 Tsd. m³ von insgesamt 1 863,3 Tsd. m³ Rundholzeinschnitt. Seit 2007 ist der Rundholzeinschnitt (Nadel- und Laubstammholz) in der Schweizer Sägeindustrie rückläufig. Im Jahr 2011 wurden 2,07 Mio. m³ Rundholz eingeschnitten. Im Jahr 2012 lag der Einschnitt von insgesamt 303 Sägebetrieben bei 1,86 Mio. m³. Dies entspricht einem Rückgang von ca. 10 %. Auch der Einschnitt von Laubholz ist leicht rückläufig. Im Jahr 2012 wurden insgesamt 94 Tsd. m³ Laubholz eingeschnitten. Buchenstammholz hatte davon einen Anteil von 37 Tsd. m³. Holzwerkstoffindustrie auf stabilem Niveau In der Schweiz gibt es drei Werke der Holzwerkstoffindustrie: die Werke der Firma Pavatex AG in Cham und Fribourg sowie das Werk der Firma Kronospan Schweiz AG in Menznau. Das ehemalige Spanplattenwerk Fideris (in GR) wurde im Jahr 2002 aufgrund der Kostenstrukturen geschlossen. Die Vertriebsorganisation wurde von der deutschen Pfleiderer-Gruppe übernommen. Überdies produziert die Firma Hess & Co AG Sperrholz und aus Sperrholz hergestellte Produkte. Die Entwicklung des Holzeinsatzes in der Schweizer Holzwerkstoffindustrie war im Betrachtungszeitraum sehr stabil. Im Jahr 2011 kamen bei einem Holzeinsatz von 984 Tsd. m³ etwa 777 Tsd. m³ aus der Schweiz. Reduzierte Kapazitäten in der Papierindustrie In der Schweiz wurde 2011 an zwölf Standorten Papier produziert. Nach der Schließung der Papierfabrik in Biberist 2011 sank diese Zahl auf elf Standorte. Im Jahr 2013 wurde mit der Aufgabe der Rohpapierproduktion in Cham durch die Cham Paper Group Schweiz ein weiterer Standort aufgegeben. Modell zur Analyse, Bewertung und Neugestaltung der WSK Holz (Quelle: Darstellung BWC 2013) Rundholzeinschnitt 1971 bis 2012 Quelle: BFS * Der Autor ist Inhaber/Geschäftsführer der BWC Management Consulting in Abensberg/Niederbayern Entwicklung der Bereitstellung von Nadelstammholz Entwicklung der Schnittholzproduktion 1992 bis 2012 Quelle: Bafu Fortsetzung auf Seite 968


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