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HZ_40_2014

Seite 974 · Nummer 40 · Holz-Zentralblatt Aus Unternehmen Donnerstag, 2. Oktober 2014 Kundenbedürfnisse als Basis Studenten planen und entwickeln neuen »Konzept-Raum« beim Furnierspezialisten Roser Die umfangreiche Materialbibliothek im neuen „konzept.raum“ ermöglicht Architekten und Planern, in kurzer Zeit eine passende Materialisierung zu konzipieren. Wie können Architekten, Planer und Innenausbauer aus über 200 verschiedenen Holzmustern und -strukturen eine rasche Auswahl treffen? Angehende Innenarchitekten und Szenografen der Hochschule für Gestaltung und Kunst der FHNW (Fachhochschule Nordwestschweiz) haben sich ein Semester lang mit dieser Frage auseinandergesetzt und den neuen „Konzept-Raum“ beim Furnierspezialisten Roser AG in Birsfelden geplant und realisiert. Die studentischen Projektvorschläge hatten einen konkreten architektonischen Die Furnierbibliothek mit über 200 verschiedenen Holzmustern und -strukturen ermöglicht Architekten, Planern und Innenausbauern eine rasche Auswahl und funktionalen Rahmen: Im Untergeschoss der Roser AG sollte ein großer Raum zu einem Projektraum für Kunden eingerichtet werden. Um eine benutzerfreundliche Präsentations, Ausstellungsund Gesprächszone zu schaffen, mussten sich die Studenten zuerst branchenspezifische Kenntnisse aneignen und sich in die Bedürfnisse der Kunden hineindenken. Aus 21 Semesterprojekten wählte Roser AG die Projekte „Schnittstelle“ von Lisa Haller und „White Cube“ von Andrea Frei zur Realisierung. Der neue „Konzept-Raum“ konnte Ende Mai eröffnet werden und steht seither allen Interessierten offen. Architekten, Planer und Innenausbauer können darin mit wenig Zeitaufwand aus einer großen Vielfalt an Holzmustern die passende Struktur im gewünschten Farbton aussuchen. Dank der großen Materialbibliothek können sie ein Konzept auch mit Bodenbelägen, Wandfarben, Textilien, Metall usw. erweitern und gestalten. Bei Innenausbauten sehen Kunden, wie sich eine geplante Schrank- oder Küchenfront im Maßstab 1:1 präsentieren wird. Dabei profitieren sie von der einzigartigen Möglichkeit, die räumliche Wirkung im Zusammenspiel mehrerer Materialien 1:1 zu beurteilen und das Konzept zu verfeinern. Das Konzept kann mit weiteren Materialien wie Bodenbeläge, Textilien, Metall und Farben geprüft und weiterentwickelt werden Gefertigt wird, was auf den Tisch kommt Weinmann: Elementfertigung für Handwerksbetriebe Die Anforderungen im Holzbau sind heute so individuell und vielseitig wie die Kunden. Wer sie auf den Punkt erfüllen will, muss Wand-, Dach- und Deckenelemente nach Maß fertigen können – und zwar in bester Qualität, zu wettbewerbsfähigen Preisen und montagefertig. Die Voraussetzungen dafür schaffen bedarfsgerecht ausgelegte Elementfertigungslinien von Weinmann. Die Holzin AG in Appenzell ist sehr vielseitig aufgestellt und beschäftigt 13 Mitarbeiter und 3 Lehrlinge in der Zimmerei sowie 24 Mitarbeiter und 9 Lehrlinge in der Schreinerei. So führt das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen beispielsweise klassische Schreinerarbeiten aus, fertigt Brandschutztüren und ist im Küchenbau tätig. Maßgeblich zum Erfolg von Holzin trägt zudem der Elementbau bei. „Wir stellen pro Jahr rund 8 500 m² individuelle Bauelemente her“, berichtet Geschäftsführer Bruno lnauen. Um die Leistungsfähigkeit und Kapazität in diesem Segment weiter auszubauen, entschied sich lnauen im Frühjahr 2013 für die Investition in eine Elementfertigungslinie von Weinmann. 20 % schneller in der Fertigung Installiert wurde eine Längs-Quer- Lösung mit Plattenhandlingsystem, bestehend aus dem Weinmann Zimmermeistertisch „WTZ 150“ in Kombination mit dem Wandtisch „WTW 150“. Beide Tische sind dank ihrer robusten Stahlkonstruktion sehr stabil, einfach im Handling und vielseitig einsetzbar. „Diese Lösung ist nach einer intensiven Analyse unserer Fertigungsprozesse durch die Experten von Homag (Schweiz) AG und Weinmann entstanden“, sagt lnauen und ergänzt: „Unsere Wünsche und Anforderungen wurden dabei umfassend berücksichtigt und erfüllt.“ Ein zentraler Punkt war die Ausbaufähigkeit des Gesamtsystems. Die Holzin AG wollte sich die Möglichkeit offenhalten, ihre neue Elementfertigungslinie in den kommenden Jahren ohne Umbauaufwand zusätzlich mit einer Multifunktionsbrücke „WMS“ von Weinmann auszustatten. Mit der realisierten Längs-Quer-Lösung ist genau dies jetzt jederzeit möglich. Vor allem aber sorgt die neue Fertigungslinie bereits heute für ein großes Plus an Effizienz und Leistungsfähigkeit. „Nach der pünktlichen Inbetriebnahme im Juli 2013 konnten wir sofort mit der Produktion starten. Unsere Kapazität im Elementbau ist seitdem deutlich gestiegen, denn wir fertigen bis zu 20 % schneller als noch vor der Neuinstallation“, sagt lnauen. Sein Fazit: „Marktweit gibt es aus meiner Sicht keine Alternative zu dieser Lösung.“ Präzise und flexibel im Einsatz Von den Stärken einer Weinmann Elementfertigungslinie hat sich Anfang vergangenen Jahres auch Patrizio Chiesa überzeugt – und zwar live vor Ort bei einem Referenzkunden der Homag (Schweiz) AG. Nach der Besichtigung entschied sich der Inhaber und Geschäftsführer der Carpenteria Chiesa T.P.SA in Mezzovico, ebenfalls in eine moderne Weinmann-Lösung zu investieren. Sein 2002 gegründeter Betrieb im Tessin produziert mit 13 Mitarbeitern vor allem Dach- und Deckenelemente sowie andere individuell gefertigte Konstruktionen für Holzhäuser. Dabei kommt es mehr denn je auf höchste Qualität und Präzision bei möglichst kurzen Produktionszeiten an. Diese Anforderungen erfüllt das Unternehmen jetzt ohne Wenn und Aber mit einer neuen Weinmann- Elementfertigungsanlage. Individuell auf die Anforderungen ausgelegt, besteht sie aus dem kompakten Zimmermeistertisch „WTZ 110“ in Kombination mit der Multifunktionsbrücke „WMS 120“. Diese Kombination bietet auf 6,5 m × 18 m sehr hohe Leistung. Ausgestattet ist diese universell einsetzbare Multifunktionsbrücke mit einem 12-fach-Werkzeugwechsler inklusive Spindel sowie einem zusätzlichen Aggregateträger. Die „WMS 120“ eignet sich damit ideal zum automatischen Abnageln, Klammern von Platten oder Latten sowie zum Sägen und Fräsen von Fensterund Türausschnitten. Elektrodosen und Wandanschlüsse aller Art werden ebenfalls automatisch gebohrt – in höchster Präzision und exakt auf den Fertigungsprozess abgestimmt. Zusätzlich zu den Elementarbeiten kann die Multifunktionsbrücke auch als vollwertiges CNCBearbeitungszentrum im Plattenbereich eingesetzt werden. So sind zum Beispiel großformatige Platten für Fassaden, Verkleidungen oder Lukarnen sehr genau und einfach zu fertigen. „Die neue Anlage hat unsere Produktion deutlich beschleunigt und sorgt zugleich für eine optimierte, konstant hohe Fertigungsqualität“, bestätigt Chiesa. ,,Zudem eröffnen uns die zahlreichen Bearbeitungsmöglichkeiten neue Perspektiven für die Zukunft.“ Ein Garant für beides ist die Multifunktionsbrücke mit ihrem automatischen Werkzeugwechsler. Er reduziert die Rüstzeiten im laufenden Bearbeitungsprozess auf ein Minimum und lässt sich jederzeit mit neuen Werkzeugen ausstatten. Das schafft Zukunftssicherheit. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit fällt die Bilanz der Carpenteria Chiesa schon nach wenigen Monaten Betriebszeit durchaus positiv aus: „Es ist zwar immer noch eine teure Maschine, aber die Rentabilität in der Produktion stimmt. Bis Ende 2014 wird die neue Anlage abgeschrieben sein.“ Elementfertigungsanlage der Holzin AG: Längs- und Quer-Lösung mit Plattenhandlingsystem, bestehend aus „WTZ 150“ und „WTW 150“ Bruno Inauen von der Holzin AG Patrizio Chiesa von der Carpenteria Chiesa Ausstellung zum humanitären Abenteuer Innenräume des Genfer Roten-Kreuz-Museums mit Weißtanne neu gestaltet Wie ein Flechtwerk schwingen sich trennende und gestaltende Holzelemente durch den Bau und lassen die harte Betonstruktur zurücktreten Fotos: Lignum/Corinne Cuendet Parkett neu erfunden Bauwerk-Parkett bringt mit „Formpark“ einen Holzfußboden zum individuellen Gestalten cvb. Mit einem Geniestreich des Designstudios Hannes Wettstein hat der Schweizer Parketthersteller Bauwerk dem Holzboden eine neue Dimension verpasst. Aus der Kombination von zwei Parkettformaten und drei Farben resultieren hunderte unterschiedliche Möglichkeiten für das Verlegen. Die Grundidee der beiden Gestalter Stephan Hürlemann und Simon Husslein vom Studio Wettstein ist verblüffend einfach: Die beiden Parkettformate sind so gewählt, dass sich die Dielen in unterschiedliche Richtungen verlegen lassen. Ein Element ist 520 mm lang, das andere 780 mm. Beide messen in ihrer Breite 260 mm. Damit wird alles möglich: Diagonalverband, Fischgrat, Schiffsboden, Flechtmuster und auch völlig neue Varianten. Die unterschiedlichen Sortierungen verleihen den Böden eine ruhige bis charaktervolle Wirkung. Alle Elemente sind tief gebürstet, naturgeölt und vierfach gefast. So einfach die Idee klingt – der Entstehungsprozess hat zwei Jahre gedauert. Varianten, Muster, Prototypen wurden entwickelt, verglichen und wieder verworfen bis feststand, was als richtig erschien. Nicht allein das Produkt selber sondern auch die gesamte Wirkung im Raum war maßgebend. Durch unterschiedliche Formate in abgestuften Holztönen lassen sich individuelle Raumwirkungen erzielen Foto: Design-Studio Hannes Wettstein/Bauwerk Die bedeutende technische Herausforderung lag letztlich beim präzise gefertigten Winkel der es erlaubt, die unterschiedlichen Möglichkeiten des Verlegens in höchster Qualität zu realisieren. Das neue Produkt „Formpark“ wird ausschließlich mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft produziert. Bauwerk Parkett hat sich zudem noch eine witzige und auch praktische Idee zur Promotion einfallen lassen: Ein Säckchen mit Modellklötzchen – eine Miniaturausgabe von Formpark – erlaubt es, unterschiedliche Mustervarianten spielerisch auszutesten, bevor es an die Umsetzung im Raum geht. Seit 1980 besitzt die Stadt Genf ein Museum über das Internationale Rote Kreuz IKRK. Das Bauwerk aus Beton des Architekten Pierre Zoelly wurde 2011 bis 2013 mit Hilfe von Holz neu interpretiert. Als Kontrast zu den Betonstrukturen sind nun drei Themenräume als Dauerausstellung eingerichtet. Mit einem Wettbewerb wurden drei Projekte zu den drei unterschiedlichen Themen auserkoren. Es handelt sich dabei um szenografisch gestaltete Ausstellungsarchitekturen. Der Brasilianer Gringo Cardia verantwortete das Thema „Verteidigung der Menschenwürde“, Diébédo Kéré aus Burkina Faso das Thema „Familienbande“ und der Japaner Shigeru Ban die „Begrenzung der Risiken durch Naturgefahren“. Das Atelier Oi aus Neuenstadt (Schweiz) koordinierte das Gesamtkonzept des neu gestalteten Museums und setzte die Projekte der drei Architekten um. Zudem entwarf das Atelier Oi die Bereiche zum Besucherempfang, einer Verkaufsboutique sowie den neuen Raum für Sonderausstellungen. Die neue Innenarchitektur beruht auf Kurven und vermeidet rechte Winkel konsequent. Die Holzeinbauten bilden einen lebendigen Kontrast zur starren Betonhülle. Trennwände und Mobiliarelemente bestehen aus gewellten Massivholzelementen. Die Trennwände sind optisch durchlässig gestaltet, sozusagen wie ein Flechtwerk aus Holz. Diese kleine und doch sehr anspruchsvolle Aufgabe wurde so überzeugend umgesetzt – mit Weißtanne aus dem Emmental.


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