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HZ_40_2014

Donnerstag, 2. Oktober 2014 Holz – Energie Nummer 40 · Holz-Zentralblatt · Seite 975 Biomasse gibt den besten Auftrieb Airbus Industries in Toulouse heizt Betriebsgebäude mit Hackgut – Forstbetriebsgemeinschaften als verlässliche Zulieferer Mehr als 10 000 Mitarbeiter produzieren im südwestfranzösischen Toulouse für Airbus zahlreiche Flugzeugmodelle in der Endmontage, angefangen vom A 320 bis hin zum Luftgiganten A 380. Produkte also, die trotz allem Bemühen und aller Erfolge die Umwelt in starkem Maße belasten. Um dem ein bisschen entgegenzuwirken, entschloss man sich im Languedoc, in jenen Bereichen, in denen aktiver Umweltschutz betrieben werden kann, auf entsprechende Produkte zu setzen. Daher entschied sich das Management des Flugzeugbauers, anstelle eines erdgasbetriebenen Heizwerks auf eines mit Holzfeuerung umzustellen. Damit in den Hallen des Flugzeugbauers optimale Produktionsbedingungen herrschen, sorgt ein Heizwerk von Polytechnik für die benötigte Wärme. In dem neu installierten Heizwerk werden jährlich 2 000 t Hackschnitzel in Wärme umgewandelt. Auf einer Produktionsfläche von 350 000 m² (Montagehallen sowie Lackierstationen für den A 350) sorgt nun mehrheitlich die Wärme eines Sattdampfkessels des österreichischen Heizkesselspezialisten Polytechnik für eine massive Einsparung an Gas und in weiterer Folge eine Reduktion des CO2-Ausstoßes. Bei der Versorgung des Kessels mit Brennmaterial besteht eine Kooperation zwischen Airbus und der forstlichen Genossenschaft Cofogar (einer Vereinigung von Forstverwaltungen im Südwesten Frankreichs), einer der größten Forstbetriebe der Region Midi-Pyrénées/ Haute-Garonne. 70 % des benötigten Aufkommens stammen aus den Wäldern der Cofogar-Mitglieder sowie aus Kurzumtriebsplantagen, zumeist Eukalyptus- oder Robinienwälder. Die restlichen 30 % stammen aus regionalen Sägewerken. Da das Brennmaterial aus vielen verschiedenen Quellen stammt, muss eine große Bandbreite an Qualität und Restfeuchte aufbereitet werden. Der Restfeuchtegehalt im Hackgut erstreckt sich von 20 bis 55 %, so der Hersteller von Biomassekesseln. Trotz erheblicher Schwankungen des Heizmaterials bezüglich Feuchte, Korngröße und Feinanteil gelang ohne Probleme die präzise Einstellung und die fortlaufende Überwachung der thermischen Leistung der Anlage. Das für den Betrieb des Kessels verantwortliche Personal wurde ausgiebig geschult, um ihnen das „Geheimnis“ des optimierten Betriebes näherzubringen. Bei der Planung des Heizwerkes wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Kompaktheit des Gesamtsystems zu gewährleisten. Vor allem die Kosten des Hoch-/Tiefbaus sollten nicht ausufern. Um dennoch die vorhergesehene Kesselleistung erbringen zu können, mussten einige Zusatzinstallationen erfolgen. Eine betraf die Heizmaterial-Zulieferung. Sie erfolgt über einen aktiven Silo, welcher mittels Schubboden den Brennstoff austrägt. Der aktive Silo ist an einen passiven Silo gekoppelt, der Brennstoff für drei Betriebstage bevorratet. Ein Greifbagger erledigt das Beschicken der Silos mit Heizmaterial. Eine Besonderheit des Kessels in Toulouse stellt eine Notfall- Kühleinrichtung dar. Diese erlaubt es, die Energie im Notfall aus dem Generator auszuscheiden, sobald eine Notabschaltung im Gasheizwerk eintritt und auf den Biomasseheizkessel überzugreifen droht. Um das bei der Verbrennung entstehende Rauchgas optimal zu reinigen, durchläuft das Gas einen Multizyklonsowie einen Elektrofilter. Der behördlich vorgegebene Grenzwert von 20 mg/ Nm³ wird problemlos unterschritten. Die anfallende Reststaubmenge im Regelbetrieb wird mit 2 bis 8 mg/Nm³ beziffert. Die gemessenen NOx- sowie COWerte bewegen sich gegen null. Erreicht wird dies durch eine fast vollständige Verbrennung des Hackguts. Das restliche Rauchgas wird über Saugzuggebläse in den Schornstein geleitet. Dieses Verbrennungskonzept wirkt sich ebenso auf den Gesamtwirkungsgrad aus: Dieser wird mit >90 % beziffert. Der Lieferumfang von Polytechnik beinhaltete neben dem Kessel samt Silo und Zuführung sämtliche Filter und wurde 2013 übergeben. Die Umsetzung des Projektes bedeutet für den Flugzeugbauer nicht nur einen Wärmegewinn, sondern auch einen finanziellen. Mit der Installation des Polytechnik Kessels spart man jährlich CO2 Elektrofilter mit Kamin Fotos: Polytechnik im fünfstelligen Tonnenbereich ein. Dies bedeutet ein Freiwerden von CO2- Zertifikaten, die anderweitig genutzt werden können. Für die Investition in einen Biomasseheizkessel wurde Airbus außerdem von der französischen Umweltagentur Adema bezuschusst. Die aus dem Verbrennungsprozess entstehende Asche ist übrigens kein Sondermüll: Sie wird nach entsprechender Aufbereitung als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Darüber hinaus spart der Betreiber im laufenden Betrieb mit Holz gegenüber Gas rund 50 % der Brennstoffkosten ein. Austragung des Brennstoffes aus dem Bunker mit hydraulischen Schubstangen Richtig investieren Die Energiefachmesse für Bayern 09. – 12.10.2014 Messe Augsburg www.renexpo.de Freikarte: Bei Abgabe dieses Coupons am Messeeingang erhalten Sie einen kostenlosen Zutritt zur Messe Holz-Zentralblatt


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