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HZ_40_2014

Seite 978 · Nummer 40 · Holz-Zentralblatt Messen und Tagungen Donnerstag, 2. Oktober 2014 Baukonzept muss von Anfang an das Thema Energie aufgreifen Interview mit René Graf, Direktor des Departements Architektur, Holz und Bau (AHB) der Berner Fachhochschule Die Schweizer „Bau -Holz -Energie- Messe 2014“ findet vom 13. bis 16. November auf dem Bernexpo-Gelände in Bern statt. Themen sind dabei Bau, Holzbau, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Haustechnik, Innenausbau sowie Beratung. Ausstellen werden rund 400 Firmen, Institutionen, Schulen, Verbände sowie die öffentliche Hand. Als Besucher werden etwa 20 000 interessierte Fachleute und Private erwartet. Das Messeprogramm runden etwa 40 Events, Vorträge für Baufachleute, Private und Bauherrschaften ab. Im Vorfeld der Veranstaltung sprach das „Holz-Zentralblatt“ mit René Graf, dem Direktor des Departements Architektur, Holz und Bau (AHB) der Berner Fachhochschule. Holz-Zentralblatt: Herr Graf, wer daran denkt, ein Gebäude aus Holz zu erstellen, wird sich zuerst einmal fragen, ob die Gefahr eines Brandausbruchs nicht zu hoch sei. René Graf: Ist das wirklich die erste Frage? Stehen nicht Fragen in Zusammenhang mit Wohlbefinden und Wohngefühl sowie mit Kosten-Nutzen bzw. nachhaltiger Investition vor? Brandschutz und Holzbau wurde in den letzten Jahren intensiv erforscht. Sowohl das Brandverhalten wie auch die notwendigen vorsorglichen Maßnahmen sind heute bestens bekannt und erlauben ein sicheres Bauen mit Holz. Der Stand der Technik liefert dazu klare und sichere Antworten, die auch von den Gebäudeversicherungen anerkannt sind. Zahlreiche gebaute Beispiele in der Schweiz zeugen davon. HZ: Welche Vorteile bietet der Bau mit Holz gegenüber dem üblichen Betonbau? R. Graf: Ich möchte vermeiden ein Material gegen das andere auszuspielen. Als Werkstoffingenieur habe ich ein Interesse daran, Baustoffe dort einzusetzen, wo sie Sinn machen. Für gewisse Applikationen hat Holz eindeutige Vorteile. Zum Beispiel überall, wo mit hohem Vorfertigungsgrad Qualität und Effizienz erhöht sowie Bauzeit reduziert werden kann, oder wenn das Gewicht eine Rolle spielt wie z. B. bei Aufstockungen, und weiter auch wenn das Wohnklima wichtig ist. Radikale Materialisierungen machen kaum Sinn. Viel gescheiter ist es, wenn die Baustoffe nach Eigenschaft in hybriden Bauweisen zusammengebracht werden. HZ: Kann man Holzbauten in puncto Energieeffizienz so gut bauen wie Bauten aus anderen Materialien? R. Graf: Die Energieeffizienz ist nicht primär mit der Materialisierung ver- bunden. Für eine energieeffiziente Bauweise ist primär wichtig, dass das Baukonzept von Anfang an das Thema Energie aufgreift. Holz bietet allerdings einige Vorteile gegenüber Stahl oder Beton. Unter anderem können die lokale Versorgung, die tiefe Masse und die entsprechend tiefe graue Energie erwähnt werden. Und Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit einer neutralen CO2-Bilanz. HZ: Betonbauten halten Hunderte von Jahren. Auch Holzbauten? R. Graf: Es gibt genügend Beispiele von Holzbauten, welche mehr als hundert Jahre alt sind. Aber die wichtigen Fragen lauten eher: wie lange sollte ein Gebäude halten? Wie flexibel soll ein Bauobjekt gebaut werden? Wenn wir die bestehende Bausubstanz anschauen, sehen wir lauter Objekte, welche in Massivbauweise in den letzten fünfzig Jahren erstellt wurden. Diese halten wohl noch eine Weile, genügen jedoch nicht mehr den aktuellen Anforderungen und müssen mit viel Aufwand saniert werden. Der Holzbau bietet diesbezüglich große Vorteile: Dank Systembau mit Holz kann rasch und flexibel umgebaut und saniert werden. Die Bedürfnisse verändern sich mit der Zeit stark. So wie wir heute bauen, werden wir in dreißig Jahren kaum mehr bauen. Ein Gebäude sollte demnach mehr leisten als hundert Jahre zu halten. Es muss den Umständen entsprechend einfach und kostengünstig angepasst werden können. Dafür ist der Holzbau besonders geeignet. HZ: „Holz“ gibt es ja vielerlei. Welche Holzarten sind für den Hausbau besonders geeignet? R. Graf: Da kommt es auf den Anwendungsbereich an. Für das Tragwerk wird heute hauptsächlich Nadelholz verwendet. Es laufen zurzeit europaweit einige Forschungsprogramme, die sich mit dem Thema der Verwendung von Laubholz für statische Zwecke auseinandersetzen. Im Fassadenbereich werden hauptsächlich Lärche, Eiche oder Robinie wegen ihrer natürlichen Dauerhaftigkeit eingesetzt. Im Innenausbau werden unterschiedliche Nadel- und Laubhölzer verwendet. Dort stehen eher gestalterische Elemente im Vordergrund. Kurz gesagt: jede Holzart ist verwendbar, sei es mit Massivholz oder mit Holzwerkstoffen basierend auf Furnier, Fasern oder Spänen. Wichtig ist auch hier, dass die Eigenschaften mit den Anforderungen übereinstimmen. HZ: Was halten Sie persönlich von den Häusern im Blockhausstil, die da und dort, vor allem in Ferienorten, gebaut werden? R. Graf: Es ist wie bei den Materialien: Jeder Baustil hat seine Berechtigung und macht Sinn, wenn er richtig eingesetzt wird. Blockhäuser haben eine lange Tradition. Der Blockhausbau hat sich aber weiterentwickelt. Moderne Produktions- und Montagetechniken ermöglichen heute eine qualitativ hochwertige Vorfertigung, die bis zu komplett gefertigten Bausätzen führt. Wenn der Kontext stimmt, passt der architektonische Stil der Blockhäuser, so z. B. in Gebirgsregionen. Im urbanen Umfeld sehe ich persönlich den Blockausstil weniger gut passend. HZ: Welches sind neue Entwicklungen und Tendenzen im Holzbau? R. Graf: Wie bereits bei der ersten Frage erwähnt, sind die meisten Fragen im Bereich Brandschutz geklärt. Die aktuelle Forschung beschäftigt sich unter anderem mit Fragen des Schallschutzes, des Bauens im Bestand, der hybriden Bauweisen, der wirtschaftlichen und ökologischen Effizienz sowie der Produktions- und Fertigungstechnik. Insbesondere beim Bauen im Bestand sehe ich große Chancen für den Holzbau. Das Thema der Verdichtung ist in aller Munde. Dort muss Holz eine zentrale Rolle spielen. HZ: Woran wird an der Fachhochschule Biel in Sachen Holz geforscht? R. Graf: Einzelne Themen habe ich oben bereits erwähnt. Ergänzen kann ich noch die ganze Materialforschung und die Schnittstelle zur Architektur. Unsere Materialforscher beschäftigen sich mit der Entwicklung von leichten und öko-effizienten Bauprodukten, von effizienten Verbindungs- und Verklebungstechnik und von innovativen und nachhaltigen Baustoffen. Besonders wichtig scheinen uns aber die Schnittstellen zur Architektur und zur Produktion. Dort investieren wir seit einigen Jahren viel Energie und entwickeln in Lehre und Forschung spannende Projekte. Wir versuchen dabei, die Grenzen des klassischen Holzbaus zu sprengen und verbinden es mit modernen Planungs- und Produktionswerkzeugen. Die Vision ist ein integrierter, flexibler und effizienter Prozessfluss, der die gesamte Kette Planung – Produktion – Aufbau – Umbau und Rückbau abdeckt. Das Potenzial ist riesig und die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Ingenieuren macht enorm Spaß. HZ: Es gibt Fenster aus Metall, Fenster aus Plastik. Ist Holz im Fensterbau noch konkurrenzfähig? R. Graf: In der Schweiz gibt es nebst den erwähnten Beispielen vor allem noch Fenster aus Holz und Metall, welche die Vorteile beider Materialien vereinen. Die Frage ist immer: welches Produkt für welchen Markt? Es ist kaum sinnvoll, mit Holz-Metall-Verbundsystemen den Billigmarkt anzugreifen. Die kurzfristig billigste Lösung ist PVC, keine Frage. Wer aber etwas weiterdenkt, erkennt im Holz-Metallfenster ein dauerhafteres Produkt und investiert in Langlebigkeit und Qualität. Ich bin deshalb überzeugt, dass es für Holz im Fensterbau einen sinnvollen Markt gibt. Die Frage der Margen in diesem Marktsegment ist eine zentrale Frage. Ich kenne viele Fensterbauer und Schreiner, die unzählige Aufträge haben. Sie schaffen es aber immer noch nicht, anständige Preise für ihre Leistung zu verrechnen. Da scheint der Markt trotz boomender Bauwirtschaft etwas zu versagen. HZ: Die Sanierung des Gebäudeparks ist eine wichtige Aufgabe. Wie kann Holz bei Sanierungen eingesetzt werden? R. Graf: Es sollte dabei nicht nur die Sanierung betrachtet werden, sondern generell das Bauen im Bestand. Wenn der Bedarf nach Sanierung aufkommt, sollte gut überlegt werden, ob „nur“ energetisch saniert wird, oder ob es nicht sinnvoller wäre, das gesamte Gebäudekonzept zu überprüfen. Dabei gilt es insbesondere die Themen der Verdichtung, der Aufstockung und des Raumprogramms unter die Lupe zu nehmen. Holz als flexibler und leichter Baustoff ist für das Bauen im Bestand besonders geeignet. Mittlerweile erlauben die modernen Produktionstechniken Einzelfertigungen hoch automatisiert und kosteneffizient herzustellen. Somit werden Zeit, Kosten und Qualität gleichzeitig optimiert. René Graf Organisationen und Verbände informieren über Fördermittel Kleine (Herkunfts-)Plakette mit großer Wirkung Messeauftritt mit 100 % St. Galler Holz Lignum Holzkette St. Gallen hat einen neuen Messestand gestaltet. Er besteht vollständig aus Holz aus der Region und führt deshalb das „Herkunftszeichen Schweizer Holz“ HSH. Die HSH-Plakette am Stand sticht ins Auge und fördert das Gespräch zum Thema Holzherkunft am Bau. Holz ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff, zu dessen „Herstellung“ ein Baum nur Sonnenenergie, Wasser und Nährsalze aus dem Boden benötigt. Ernte und Verarbeitung erfolgen sehr energiearm. Rund 90 % der Waldfläche des Kantons St. Gallen und mehr als 50 % des Schweizer Waldes tragen ein Ökozertifikat (FSC oder PEFC). Doch diese Öko-Labels machen keine Aussagen über die Holzherkunft. Diese interessiert aber immer mehr Konsumenten. Genau da setzt das „Herkunftszeichen Schweizer Holz“ der Lignum an. Der Schweizer Ursprung von Holz und Holzprodukten wird damit eindeutig nachgewiesen. Das Label kommuniziert die mit Schweizer Holz positiv verbundenen Werte in den Bereichen Produkteigenschaften, Herstellungsmethoden und Umwelt. Alles Holz, das in Schweizer Wäldern gewachsen ist und in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein verarbeitet wird, kann mit dem Herkunftszeichen markiert werden. Als es für die Lignum Holzkette St. Gallen darum ging, einen neuen Messestand zu bauen, war von vornherein klar, dass auf der ganzen Linie auf die Karte „einheimisch“ gesetzt wird. 100 % des verwendeten Holzes stammen aus den Waldungen des Toggenburgs, wurden bei der Sägerei Neckerholz AG in Brunnadern eingesägt und getrocknet und bei der Firma Abderhalden Holzbau in Wattwil bearbeitet. 15. - 19. 10. 2014 design industrie outlet 41. internationale möbel-, innenausstattungs- und zulieferindustriemesse Anmeldung und Informationen: Zagreber Messe, Avenija Dubrovnik 15, Hr-10020, Zagreb, Kroatien ������������������������������������������������������������������������������������������������������������ ������������������������������������������������������������������������������������������


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