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HZ_40_2014

Donnerstag, 2. Oktober 2014 Holzarchitektur Nummer 40 · Holz-Zentralblatt · Seite 979 Elefantenanlage in Zürich: Holzhalle für Giganten Der neue »Kaeng-Krachan«-Elefantenpark im Zoo der Stadt Zürich setzt neue Maßstäbe für die Elefantenhaltung in einem Zoo Charles von Büren*, Bern Anfang Juni war es soweit, die neue Elefantenanlage und das dazugehörige Elefantenhaus im Zoo der Stadt Zürich können nun besucht werden. Die sechs Elefanten des Zoos haben die mit viel Holz gebaute Halle schon länger bezogen und die neue, 11 000 m² große Anlage in Besitz genommen. Und seit Mitte Juni sind sie zu siebt, denn ein Junges wurde geboren. Kein Wunder, dass sich Zoodirektor Alex Rübel diebisch über beides freut – die neue Anlage und den Nachwuchs. Beim Spaziergang durch den Zoo in Zürich überrascht die Besucher im östlichen Teil ein von weit her sichtbares, eigenartig rundliches Gebilde. Fast wie eine riesenhafte Schildkröte liegt das neue Elefantenhaus, eher eine Halle, in der „Kaeng Krachan“ genannten Anlage. Seinen Namen hat der neue Elefantenpark vom „Kaeng-Krachan-Nationalpark“ in Thailand. Der Zoo Zürich unterstützt dort ein Projekt zum Schutz Asiatischer Elefanten. Wichtiger Teil des Projekts ist es, die Konflikte zwischen dort ansässigen Bauern und Elefanten zu entschärfen. Das ist für den Zürcher Zoo charakteristisch, denn er versteht sich als Botschafter zwischen Mensch, Tier und Natur und engagiert sich dementsprechend. Ein anspruchsvolles Dach Ein 6 800 m² großes Dach formt die Halle. Es ist der spektakuläre Teil der gesamten Anlage und als flache, freigeformte (doppelgekrümmte) Holzschale konzipiert. Seine netzartig transparente, organische Struktur fügt sich natürlich in den umgebenden Wald ein. Die Halle hat einen Durchmesser von rund 80 Metern und ist stützenfrei gebaut. Die mächtige Dachkonstruktion wirkt optisch überraschend leicht, fast wie ein Zelt. 271 Oberlichter aus UV-durchlässiger ETFE-Folie mit einer Gesamtfläche von rund 2 100 m² bringen Tageslicht in den Raum. Dies erzeugt im Innern der Halle den Eindruck, man befinde sich unter einem Blätterdach. Von außen gesehen wirkt der Bau weder als Haus oder auffällig architektonische Erscheinung, sondern vielmehr wie ein Teil der umgebenden Natur. Alle konstruktiven Elemente der Konstruktion wurden in einem speziellen 3 D-Computer-Modell entwickelt. Um Erfahrungen bezüglich der Statik und Konstruktion zu erlangen, wurde ein Dachmodell im Maßstab 1:200 gebaut. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Berechnungen ein. Vor der Ausführung wurde zudem noch ein Dachausschnitt im Maßstab 1:1 mit dem kompletten Dachaufbau samt Abdichtungen und Oberlichter erstellt. Auf diese Weise ließen sich alle kniffligen Details erproben. Um dieses großflächige Dach als robuste Holzschale zu konstruieren, wur- de zuerst ein vollflächiges Lehrgerüst erstellt. Damit wurden die Spanten zu einer Negativschale der künftigen Dachform millimetergenau eingemessen. Über diese Spanten wurden nach und nach drei Lagen Dreischichtplatten zur Dachform gefügt. Jede der 600 vorgängig speziell zugeschnittenen Dreischichtplatten wurde auf dem vorberechneten Platz auf dem Dach positioniert. Die erste Lage der Dreischichtplatten wurde aus Stabilitätsgründen vollflächig eingebracht. Bei der zweiten und dritten Lage waren die Oberlichter bereits ausgeschnitten. 500 000 Nägel (rund 22 Tonnen Stahl) dienen als Verbindungsmittel. Die Dachöffnungen wurden nach dem Verlegen der drei Schichten mit Kettensägen endgültig aufgeschnitten, die innen sichtbaren Schnittkanten wirken deshalb rau. Die Dachschale misst insgesamt 93 cm. Davon nimmt die Primärkonstruktion 54 cm in Anspruch, nämlich drei Lagen Schichtholzplatten (Nadel-Brettsperrholz, total 24 cm) mit je um 60° gedrehter Faserrichtung und Randträgern, welche eine „Kerto-Q“-Obergurtplatte (5,7 cm) tragen. Die 39 cm starke Sekundärkonstruktion setzt sich zusammen aus der Dämmschicht (19 cm Mineralwolle) und einer darunter liegenden Installationsebene. Über dem Ganzen befindet sich eine um 60 cm hoch aufgeständerte Wartungsebene aus Kertoplatten (veranschlagte Lebensdauer rund 20 Jahre). Diese Dachkonstruktion lagert auf fünf Streifen entlang der Fassade, die jeweils 15 bis 30 Meter Zwischenabstände aufweisen. Am Dachrand wurde ein integrierter Ringbalken betoniert (Spannbeton), der die Schale zusammenhält und so deren statische Funktion auslöst. Nach fertiggestelltem Tragwerk wurde das Lehrgerüst abgesenkt: das Dach senkte sich vertikal um 35 mm, errechnet waren 50 mm. Das Tragwerk wurde vor allem deshalb aus sichtbarem Holz gebaut, weil es bei hoher Leistung ein geringes Eigengewicht aufweist. Zugleich wirkt das rohe Holz in dieser großen Halle und in Zusammenhang mit den Sandböden, Felsen und Pflanzen als Baustoff voll integriert und nicht wie ein Fremdkörper. Hightech-Planung hat letztlich zu einem robusten Lowtech-Bau geführt. Holz dominiert Beim Bau der Anlage wurde großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Dominierender Baustoff ist Holz und geheizt wird über ein Fernwärmenetz mit der zentralen Holzhackschnitzelheizung des Zoos Zürich. Das vom 6 800 m² großen Dach gesammelte Regenwasser dient für die bodennahe Bewässerung, die Sandbefeuchtung, die Entstaubung der Pflanzen und für die Beckentechnik. Eine ausgeklügelte Eventsteuerung sorgt für eine möglichst ressourcenschonende Klimatisierung der Innenanlage. Der neue „Kaeng-Krachan“-Elefantenpark Die lichtdurchflutete Innenanlage behagt den Elefanten ganz offensichtlich Fotos: Zoo Zürich/Jean-Luc Gassmann muss einiges leisten können. Das bedingt einen erheblichen Aufwand an technischen Anlagen, alle in der Größenkategorie XXL. Sie befinden sich mehrheitlich im Untergeschoss – so etwa die Einrichtungen für Klimatisierung, Lüftung, Wasseraufbereitung und elektrische Versorgung. Für den Besucher bleiben sie weitgehend unsichtbar. Holz ist auch für die Absperrungen im Freien, die Sitzgelegenheiten, die im Elefantenhaus integrierte zweigeschossige Lodge und für die Orientierungstafeln dominierend. Alles ist sauber und einladend gestaltet und bleibt meilenweit entfernt von durchgestyltem Design. Manches wirkt wie gewollt hausgemacht und gerade das macht den Charme der neuen Anlage aus. Sie wirkt so, als stünde sie schon lange da. Private Finanzierung Das Projekt für die neue Elefantenanlage war in einem zweistufigen Architekturwettbewerb ermittelt worden. 50 Projekte wurden zur Teilnahme eingereicht. Die Kosten für den komplexen Bau betragen rund 57 Mio. Franken (knapp 47 Mio. Euro). Finanziert wurde der „Kaeng-Krachan“-Elefantenpark ausschließlich mit privaten Geldern: über Sammelaktionen, größere Beiträge von Stiftungen und Privaten, einen Beitrag des „Zoofäschts“ für den Bullenstall und einen Beitrag der Tiergarten- Gesellschaft für die edukativen Anteile. Die Firmen Holcim, Sika, Mettler-Toledo und Schindler Aufzüge haben den Elefantenpark als Projektsponsoren mitunterstützt. Elefantenbulle Maxi spaziert würdevoll unter dem Holzdach Eine zweigeschossige Thailodge aus rot eingefärbtem Holz erlaubt den Besuchern den bequemen Blick in die Anlage Außenanlage mit Wasserstellen. Die mächtige Holzhalle des Elefantenparks schmiegt sich ins Gelände ein


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