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HZ_40_2014

Seite 980 · Nummer 40 · Holz-Zentralblatt Holzbau Donnerstag, 2. Oktober 2014 Denkmalgerechte Dachsanierung des Kreuzstifts Schänis Ökologische und denkmalschützerische Aspekte bei barockem Stift berücksichtigt Das Alten- und Pflegeheim Kreuzstift im schweizerischen Schänis hat seinen Sitz in einem ehemaligen adligen Damenstift, das im neunten Jahrhundert gegründet wurde. Bei der jetzt fertiggestellten denkmalgerechten Sanierung der barocken Anlage stand vor allem der sensible Umgang mit dem historischen Kontext im Mittelpunkt. Für den Wärmeschutz kamen ökologische Dämmstoffe zum Einsatz, die mit ihren feuchteregulierenden Eigenschaften die alte Bausubstanz bestmöglich schützen. Erbaut wurde das Stiftsgebäude Schänis, wie es sich heute in der St. Gallener Gemeinde präsentiert, um das Jahr 1782. Die mittelalterlichen Vorgängerbauten waren wie das gesamte Dorf einem Feuer zum Opfer gefallen. Um den verwitweten und unverheirateten adligen Damen des süddeutschen Hochadels einen standesgemäßen Wohnsitz zu bieten, entstand das Kreuzstift mit Stiftskirche als barocker Neubau mit einem mächtigen Mansardwalmdach. In den 1920er-Jahren richteten die Steyler Missionsschwestern ein Alten- und Pflegeheim im Kreuzstift ein, das Ende der 1990er-Jahre, aus Altersgründen und wegen dem Mangel an jüngeren Mitschwestern, vom Familienunternehmen Di Gallo übernommen wurde. In den letzten Jahren wurde das Gebäu- deensemble Stück für Stück modernisiert. Dabei sind nicht nur die Zimmer und Gemeinschaftsräume der 90 Bewohner auf einen zeitgemäßen Stand gebracht worden, sondern auch das marode Dach wurde unter denkmalpflegerischen Auflagen saniert. Authentische Materialien mit Bedacht gewählt Bis die Bewohner die neu hergerichteten Zimmer im Mansardenbereich beziehen konnten, übernahmen 2013 sieben Monate lang die Dachprofis von Riget Dach das Zepter und überprüften die Tragfähigkeit, erneuerten einzelne Balkenlagen und dämmten die Konstruktion mit ökologischen Dämmstoffen. Bei der Gestaltung der einzelnen Elemente gingen alle Beteiligten mit viel Bedacht und großem Bewusstsein für authentische Materialien vor, wie beispielsweise die Holzsprossenfenster, die Dachrinnen und der Blitzschutz in Kupfer belegen. Statt konventionellen Dachsteinen kam eine doppelte Biberschwanzdeckung mit Sechseckschnitt zum Einsatz, die am Ortgang mit einer Zahnleiste abschließt. Die Ziegel in abgestimmter Farbtonmischung setzen über der hellen Putzfassade einen deutlichen Farbakzent in Schänis historischem Ortskern. Das von First bis Unterkante Dachrinne gut neun Meter hohe Pfettendach hat eine Fläche von 1300 m² und ist mittig durch eine Decke geteilt. Wie bereits vor der Sanierung befinden sich auf Ebene der Mansarde durchgängig Patientenzimmer und darüber der kalte Dachboden. Nach Rückbau aller alten Schichten wurden die Sparrenzwischenräume mit einer Wärmedämmschicht aus 900 mm breiten und 100 mm starken Homatherm-Dämmmatten ausgefacht. Anschließend verlegten die Dachdecker mit UD-Q11 protect eine zweite 140 mm dicke Dämmschicht als Zusatzdämmung, Winddichtung und wasserableitende Schicht unter der Dachdeckung. Auf dem diffusionsoffenen Dämmpaket, das für ein gesundes Raumklima und angenehme Temperaturen zu allen Jahreszeiten sorgt, tragen und sichern Lattung und Konterlattung die abschließende Ziegel-Dacheindeckung. Nach innen wurde der Dachaufbau mit einer Dampfsperre, Leichtbauplatten und Putz abgeschlossen. In sieben Monaten 1300 m² Dachfläche gedämmt Zentrale Funktionen der neuen Dachdämmung sind der sommerliche Hitzeschutz, der insbesondere an der Südseite eminent wichtig ist, und, um die alte Bausubstanz mit Bruchsteinmauerwerk zu schützen, ein zuverlässiger Feuchteschutz. Die verwendeten Holzfaserdämmstoffe überzeugen dabei durch ihre Dämmwirkung mit hohem Wärmespeichervermögen, ihren feuchteausgleichenden Eigenschaften sowie nicht zuletzt durch ihre bequeme und rasche Verlegung: Die flexiblen Dämmmatten werden passgenau und unkompliziert zwischen die Sparren geklemmt. Ihre Formate sind für gängige Raster bemessen und bei Bedarf – wie bei den Gauben im Dach des Kreuzstifts – lassen sie sich schnell und einfach mit dem Dämmstoffmesser zuschneiden. Ihre hohe Flexibilität und Rückstellkraft verhindert zuverlässig die Hinterströmung und Wärmebrücken im Bauteil. Eine druckfeste Ergänzung zur flexiblen Dämmmatte stellen die bis zu 1800 × 590 mm großen Unterdeckplatten UD-Q11 protect dar. Ihre Verlegung erfolgt im Verband entlang der Traufe von links nach rechts in Richtung First. Dabei zeigt die Feder nach rechts und nach oben Richtung First. Stumpfe Plattenstöße und Anschlussfugen an Bauteildurchdringungen sind mit einem geeigneten Klebeband winddicht und wasserableitend zu verkleben. Dabei sind auf eine fluchtgerechte Montage und auf den Versatz der Stoßfugen um ein Sparrenfeld zu achten. Für die Montage auf besonders steilen Dächern lassen sich Unterdeckplatten mit Breitkopfnägeln befestigen. Die dauerhafte Lagesicherung erfolgt über die Befestigung der Konterlatten mit korrosionsgeschützten, zugelassenen Dachbauschrauben bis in den Sparren. Durchgehend hydrophobiert ist UD-Q11 protect als Notdach bis zu zehn Wochen frei bewitterbar. Insgesamt wurden auf dem Stiftsgebäude Schänis 1000 m² Dämmung verbaut. Sieben Monate lang waren sechs bis acht Monteure beschäftigt. Dampfdiffusionsoffen und sorptionsfähig können die Holzfaserdämmstoffe anfallende Feuchte aus der Raumluft sehr gut zwischenspeichern beziehungsweise geregelt abgeben. Daneben schützt die gute Wärmespeicherfähigkeit das Dachgeschoss im Sommer vor Überhitzung. Durch das natürlich träge Temperaturleitverhalten der Holzfasern wird der Wärmefluss durch die Wand um bis zu zehn Stunden verzögert und kommt erst in den kühleren Nachtstunden, wenn schon wieder gelüftet werden kann, im Inneren an. Das Kreuzstift Schänis liegt zentral in der historischen Dorfmitte. Frisch saniert setzt sich das 1300 m² große Mansardwalmdach markant von der umliegenden Bebauung ab Fotos: Homatherm Während auf dem Dach mit der doppelten Biberschwanzdeckung im Sechseckschnitt die historische Dacheindeckung wieder hergestellt wurde, ist der Dachaufbau darunter mit zwei Lagen Holzfaserdämmung sehr modern und zeitgemäß Holzverbindungen mit Klebstoffen für die Bauanwendung 46. Fortbildungskurs am 21. und 22. Oktober 2014 von Swiss Wood Innovation Network S-Win in Weinfelden Der 46. Fortbildungskurs von Swiss Wood Innovation Network S-Win widmet sich der Klebe-Technologie für Holzverbindungen. Eine zunehmend automatisierte Produktion, der Trend zur weitreichenden Vorfertigung von Bauteilen und nicht zuletzt die kontinuierlich wachsende Akzeptanz des Baustoffs Holz führen dazu, dass immer schnellere und sparsamere Klebstoffsysteme im tragenden wie auch im nichttragenden Holzbau eingesetzt werden. Statisch tragende, geklebte Holzelemente kommen traditionell im Hallenund Industriebau zum Einsatz. Doch sind sie auch zunehmend beim Bau von mehrgeschossigen Wohn- und Bürogebäuden anzutreffen. Dabei stehen drei grundsätzliche Anforderungen im Vordergrund: Zum einen muss die Übertragung großer Lasten dauerhaft und zuverlässig sichergestellt sein. Des Weiteren sollen die Teile und ihr Ganzes ökonomisch und sauber zu verarbeiten sein. Drittens sind hinsichtlich der Umweltverträglichkeit Emissionsgrenzwerte bei der Applikation der Klebstoffe und im Gebrauch der Bauteile einzuhalten, und die Verklebungen sollen den Rückbau der Elemente und deren weitere Verwertung nicht behindern. Alle diese Erfordernisse stehen im Zentrum einer erfolgreichen Entwicklung der Klebetechnologie. Im Wesentlichen kennt das Bauwesen drei Arten des Verbindens von Bauteilen: Mechanische Verbindungen mit Schrauben, Nägeln, Nieten, Bolzen und Dübeln; Schweißverbindungen bei geeigneten Metallen und thermoplastischen Kunststoffen; Klebverbindungen mittels geeigneter Leime und Klebestoffe. Alle drei Technologien weisen Vorund Nachteile auf, doch hat das Verkleben das Potenzial, die Vorteile der Fügetechnologien zu kombinieren. Verklebte Verbindungen sind insbesondere bei faserigen Werkstoffen wie Holz oder faserverstärkten Kunststoffen eindeutig materialgerechter, da sie eine großflächige, kraftschlüssige und somit homogenere Kraftübertragung zwischen den Fügeteilen ermöglichen. Sie führen somit zu steiferen, oft sogar tragfähigeren Verbindungen, deren Leistungsfähigkeit durch die Wahl und Formulierung der Klebstoffe beeinflusst werden kann. Geklebte Verbindungen im Bauwesen, insbesondere jene, die Lasten abzutragen haben, stoßen nicht selten auf Skepsis. Dabei sind sie längst in Form von Brettschichtholz, früher Leimholz genannt, genormt und bewährt. Die Industrie entwickelt Klebstoffe für nahezu jede spezifische Anforderung. Diese Klebstoffe können besonders hohe Festigkeiten erzielen, die auch über längere Zeiträume erhalten bleiben. Sie sind fähig, Verbindungen herzustellen, die sich auch unter extremen Bedingungen als dauerhaft erweisen. Und sie sind in der Lage, Bauteile möglichst umweltfreundlich zu verbinden. Zudem kennt die Baupraxis für die Bemessung geklebter Bauteile und für die Ermittlung der notwendigen Kennwerte abgesicherte Verfahren. Über 80 % aller verwendeten Holzprodukte sind geklebt und volumenbezogen fließen rund 60 % aller Klebstoffe in Europa in die Holzindustrie. Dies zeigt, dass der Weiterentwicklung von Klebstoffen und deren Verarbeitung im Holz- und Möbelbau eine entscheidende Bedeutung zukommt. Neue Klebstoffe und Klebtechnologien haben hierbei den steigenden Anforderungen hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit zu entsprechen. Die Herausforderungen für innovative Klebtechnologien von morgen liegen vor allem in der Variabilität der Holzoberflächen und deren Bestandteilen, wie modifizierte Hölzer oder Buchenbrettschichtholz. Emissionsfreie Systeme, Hybridklebstoffe mit naturbasierten Bestandteilen, Nachhaltigkeitsaspekte sowie Systeme mit Funktionsstoffen für einstellbare Eigenschaften sind Themen künftiger Entwicklungen. Der 46. Fortbildungskurs am 21. und 22. Oktober in Weinfelden wird innerhalb von zwei Tagen das aktuelle Wissen zum Thema „Holzverbindungen mit Klebstoffen für die Bauanwendung“ vermitteln. Die Tagung verschafft Planern und Ausführenden Einblick in grundlegende Anforderungen an moderne Holzverklebungen und zeigt, wie eng verknüpft die Klebetechnologie mit innovativen Holzbauprodukten ist. Die Performance von Klebstoffen in tragenden und nichttragenden Anwendungen, das Verarbeiten in der industriellen Fertigung wie auch in der Baustellenapplikation und schlussendlich Berichte aus aktuellen Forschungs- und Entwicklungsprojekten eröffnen den Teilnehmenden eine umfassende Informationsplattform zu Klebeverbindungen im Holzbau. Unter der Kursleitung von Prof. Dr. Klaus Richter (TU München) und Dr. Christian Lehringer (Purbond AG, Sempach Station) sind vier thematische Blöcke vorgesehen. Im Block 1 „Anforderungen und Grundlagen“ werden sowohl Thesen zum Kleben mit Holz aufgestellt als auch Emissionen und Umweltbewertungen sowie Bauprodukt-Normen und die Möglichkeiten in der Schweiz zum Konstruieren abweichend von der Norm dargestellt. Block 2 „Klebstoffe in der Bauanwendung“ vermittelt Wissen in der Anwendung vom Tragwerk über Fenster bis hin zur Brandsicherheit. Block 3 „Markt-/Systemlösungen“ thematisiert Brettsperrholz und Innovationen bei der Verklebung, während Block 4 „Forschung und Entwicklung/ Trends“ auf Zukunftsvisionen bei Verklebungen verweist. Eine Anmeldung ist bis 17. Oktober 2014 möglich.


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