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HZ_40_2014

Seite 954 · Nummer 40 · Holz-Zentralblatt Märkte und Preise Donnerstag, 2. Oktober 2014 Nadelholzsägewerke stehen vor schwierigem Herbst und Winter Säger reagieren mit Produktionsreduktion auf rückläufige Auftragslage Von Dr. Franz-Josef Lückge*, Vogtsburg Die allgemeine Geschäftslage der Nadelholzsägewerke in Deutschland hat sich im September weiter verschlechtert. Inzwischen meldet ein Drittel der Betriebe eine schlechte allgemeine Geschäftslage. Betroffen sind überwiegend Großbetriebe, aber auch typische Bauholzsäger. Tendenziell ist die Geschäftslage der Werke in Süddeutschland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schlechter als in den übrigen Regionen Deutschlands. Der Marktverlauf hat sich auch nach Ende der Sommerferien in den letzten Bundesländern nicht belebt, weder am Inlandsmarkt noch an den Auslandsmärkten. albwegs ordentlich laufende Auslandsmärkte sind an wenigen Fingern abzuzählen, innerhalb H Europas sind es allenfalls die Schweiz und die Niederlande. Die Auftragseingänge und Auftragsbestände sind zum dritten Mal hintereinander im Branchensaldo rückläufig. Deshalb nehmen die Nadelholzsäger ihren Einschnitt weiter zurück und stabilisieren so die Höhe der Schnittholzlager und den Schnittholzpreis. Den Gipfel haben die Schnittholzpreise aber bereits im Juli/August gesehen. Die Marktprognosen für Herbst und Winter sind für die Nadelholzsäger alles andere als rosig. Die Preise von Nadelstammholz werden sich voraussichtlich wenig verändern, ziemlich sicher jedoch nicht so deutlich nachgeben, dass sich daraus eine spürbare Verbesserung der Betriebsergebnisse ergäbe. Die Nachfrage nach Schnittholz wird voraussichtlich in den kommenden Monaten nachgeben, schon die übliche saisonal geprägte Geschäftstätigkeit der Sägeindustrie lässt dies erwarten. Die Preise von Nadelschnittholz werden weiterhin unter Druck stehen. Rundholzversorgung und -preise Das Geschehen am Inlandsmarkt von Nadelstammholz bietet seit einiger Zeit kaum berichtenswerte Neuigkeiten oder durchgreifende Änderungen. Die zu Beginn des Jahres zunächst gute Rundholzversorgung der Sägewerke, die Ausgangspunkt leichter Preisabschwächungen war, hat sich im Jahresverlauf schrittweise verringert und bietet jetzt umgekehrt den Forstbetrieben Argumente für steigende Preise. Auch die Forstbetriebe in Deutschland verstehen es, den Mengenhebel zu bedienen. Die Rundholzvorräte der Nadelholzsägewerke in Deutschland entwickeln sich im September auseinander, einem Teil der Betriebe gelingt es die Vorräte leicht aufzustocken, bei anderen werden die Vorräte zunehmend knapper (vgl. Abbildung 1). Einzelne Kommentare weisen auf die schwierige Stammholzversorgung hin. Tendenziell sind die Werke in der Mitte und dem Norden Deutschlands besser versorgt als die Werke in Süddeutschland. Für die kommenden Monate ist eine leichte Aufstockung der Stammholzvorräte geplant. Die Zuversicht der Säger, dass die Nadelstammholzpreise in den kommenden Monaten nachgeben werden, ist weitgehend verflogen. Drei Viertel der Befragten prognostizieren für den kommenden Monat bzw. die Zeit bis zum Jahresende stabile Rundholzpreise. Der Anteil derjenigen, die steigende bzw. rückläufige Rundholzpreise prognostizieren, hält sich annähernd die Waage (vgl. Abbildung 2). Auf der Forstseite kommt man zu einer ähnlichen Einschätzung. Die Verantwortlichen in den Forstbetrieben erwarten eine leichte Preiszunahme (vgl. Holz-Zentralblatt Nr. 39, vom 26. September, S. 918). Da beide Marktseiten gegenläufige Preispräferenzen haben und diese sicherlich auch in ihre Preisprognose einfließen lassen, ist anzunehmen, dass das Preisniveau von Nadelstammholz aus dem dritten Quartal ins vierte Quartal fortgeschrieben wird oder allenfalls geringe Preisänderungen auftreten werden. Geschäftslage und Marktverlauf Die allgemeine Geschäftslage der Nadelholzsägewerke in Deutschland hat sich im September weiter eingetrübt (vgl. Abbildung 3). Exakt ein Drittel der Meldebetriebe verzeichnet eine schlechte Geschäftslage, darunter befinden sich neben bekannten Großbetrieben auffälligerweise auch typische mittelgroße Bauholzsäger in Süddeutschland. Das Achtel der Betriebe mit guter Geschäftslage umfasst überwiegend spezialisierte Palettenholzsäger oder Nischenanbieter. Tendenziell ist die Geschäftslage der Werke in Süddeutschland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schlechter als in den übrigen Regionen Deutschlands. Mehr als die Hälfte der Betriebe meldet einen gemäßigten Marktverlauf im Inland, d. h. die sonst üblicherweise zu beobachtende Marktbelebung nach Ende der Sommerferien hat sich auch im September nicht eingestellt (vgl. Abbildung 4). „Weiterhin für die Jahreszeit zu ruhig“ lautet dazu einer der Kommentare der Befragten. Aber auch die Auslandsmärkte nehmen keine Fahrt auf. Weiterhin berichtet fast die Hälfte der Meldebetriebe über einen schleppenden oder langsamen Marktverlauf (vgl. Abbildung 5). Entsprechend durchwachsen fällt Ende September auch die Einschätzung der Marktlage in wichtigen Bestimmungsländern der deutschen Nadelschnittholzexporte aus (vgl. Abbildung 7). In Italien, Spanien, USA, Japan, Osteuropa und Nordafrika ist die Marktlage weit überwiegend schlecht, die Märkte in Großbritannien, Österreich, Belgien und Frankreich dümpeln vor sich hin. In der Schweiz und den Niederlanden sieht es derzeit am besten aus. Erste mittelbare Auswirkungen der Ukrainekrise auf die Märkte der Sägeindustrie in Deutschland ergeben sich aus den schwieriger, sprich teurer werdenden Transporten. Dadurch soll weniger Importware nach Mitteleuropa gelangen. Die Lage an den Märkten für Sägenebenprodukte hat sich im September leicht aufgehellt, zumindest ist der Anteil der Befragten, die die Lage an diesen Absatzmärkten als schlecht einschätzen weiter zurückgegangen (vgl. Abbildung 6). Oder ist ein leichter Gewöhnungseffekt an das spürbar reduzierte Preisniveau der Nebenprodukte eingetreten? Schnittholzproduktion und Schnittholzpreise Das Statistische Bundesamt weist für die Sägeindustrie einen Produktionsindex aus, der in den Monaten Juni und Juli unter den entsprechenden Monatswerten des Vorjahres liegt (vgl. Abbildung 10). Dadurch reduziert sich die in den ersten Monaten dieses Jahres aufgelaufene deutliche Produktionsausweitung sukzessive. Kumuliert für die ersten sieben Monate des Jahres liegt die Produktion der Sägeindustrie um 3,7 % über dem Vorjahrszeitraum. Die Angaben der Meldebetriebe des Holzmarktberichts zeigen, dass die Produktion in den Monaten August und September deutlich zurückgenommen wurde (vgl. Abbildung 9). Es ist zu erwarten, dass die Gesamtproduktion der Nadelholzsäger in diesem Jahr nicht oder allenfalls geringfügig über dem Jahr 2013 liegen wird. Die Rücknahme der Produktion ist eine Reaktion auf die angespannte Lage an den Absatzmärkten von Schnittholz und Sägenebenprodukten. Von ihr dürfte eine stabilisierende Wirkung auf das Preisniveau der Absatzprodukte ausgehen. Der Berichterstatter hat den Eindruck, dass die Branche heute ihr Produktionsvolumen wesentlich rationaler und entschiedener an den Möglichkeiten der Absatzmärkte steuert als dies noch vor Jahren der Fall war. Offenbar gibt es derzeit auch keine aus der Not geborenen betrieblichen Sonderwege einzelner Unternehmen mit spürbarem Marktgewicht. Überstunden oder Kurzarbeit treten in der Sägeindustrie derzeit kaum auf (6 % bzw. 2 % der Unternehmen). Einzelne Unternehmen haben die Mitarbeiter der KVH-Herstellung zur Kurzarbeit angemeldet. Die Schnittholzpreise haben ihr aktuelles Maximum wahrscheinlich überschritten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Preisindex von Rauware im August um 0,2 Prozentpunkte zurückgegangen, der von Hobelware um 0,4 Prozentpunkte. Auch der Preisindex von Hackschnitzel gab um 0,4 Prozentpunkte nach (vgl. Abbildung 8). Die Entwicklungsrichtung der Schnittholzpreise nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes und den Angaben der Meldebetriebe des Holzmarktberichtes stimmen, nach vorübergehender Divergenz im Juli, jetzt wieder überein. Die Angaben der Meldebetriebe zu ihren Erzeugerpreisen von Ende September zeigen, dass die Schnittholzpreise weiter unter Druck geraten sind (vgl. Abbildung 11). Der Anteil der Betriebe, die rückläufige Preise melden ist auf ein Viertel gestiegen, steigende Erzeugerpreise meldet nur ein einziger Betrieb. * Dr. Franz-Josef Lückge ist Inhaber der Firma Forst-Holz-Markt Consulting Abbildung 2 Prognose der künftigen Nadelstammholzpreise Abbildung 3 Angaben zur Geschäftslage Abbildung 11 Angaben zu den Erzeugerpreisen Abbildung 4 Angaben zum Marktverlauf im Inland Abbildung 5 Angaben zum Marktverlauf im Ausland Fortsetzung auf Seite 956 Abbildung 7 Angaben zur Lage an wichtigen deutschen Exportmärkten Abbildung 10 Produktionsindizes Quelle: Statistisches Bundesamt Abbildung 1 Angaben zum Rundholzvorrat Abbildung 9 Angaben zur Produktion Abbildung 6 Angaben zu den Märkten von Sägenebenprodukten Abbildung 8 Preisindizes für Nadelstammholz, verschiedene Schnittholzsortimente sowie für Hackschnitzel Quelle: Statistisches Bundesamt


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